ALESSANDRO CHIODO
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AUS "EUROPOLIS"

DER KÜNSTLER MELDET SICH ZU WORT

Betrachtungen von Alessandro Chiodo

EUROPOLIS ist ein offenes Werk.Das heißt: EUROPOLIS ist in fieri, also im Werden. Und das heißt auch: EUROPOLIS ist wie ein Organismus, der sich entwickelt und verändert. Und noch heißt es: EUROPOLIS ist ein Ort, der offen für die unterschiedlichsten Visionen ist, die die Menschen haben mögen.

Weil es kein Europa der „Richtig-liegenden“ und der „Falschliegenden“ gibt.

Es gibt nur ein geographisches EUROPA, und es ist für alle da. Dies ist einfach so, und einfach unvermeidlich. Deswegen würde es sich empfehlen, die kämpferische Einstellung, die sich langsam etabliert hat, aufzugeben und zwar seitens aller Beteiligten. Die Menschen haben das Recht, sich kritisch zu äußern, das Recht, ihre eigene Vision zu schildern, ohne gejagt oder gehetzt zu werden. Nur dann wird ein offenes, pluralistisches, Europa des Gemeinsam-Gehens möglich sein.

Ich - um es einmal klar zu stellen - bin pro ein gemeinsames Europa und bin es immer gewesen. Für mich gibt es gar keine andere Option in dieser Frage. Es gibt aber viele Fragen, die innerhalb des „Für-EUROPA-Seins“ möglich sind, und diese sollten mit Akzeptanz angenommen werden, egal von welcher politischen Richtung ausgehend. So denke ich es, mit fester Überzeugung. Weil nur dann, nur wenn jeder Mensch in der Lage ist, den „Raisons“ des Anderen zuzuhören, sie zu akzeptieren (und nicht einfach zu tolerieren!), zu diskutieren ohne pauschale Etikettierungen, wird es Europa gelingen, eine Union (und vielleicht noch mehr als eine einfache Union) zu sein.

Ich betrachte und fühle mich als demokratischer Mensch.                                                     

Ich würde es sogar wagen zu sagen, dass ich zutiefst demokratisch bin. Was meine ich aber damit? Was ist eigentlich Demokratie? Gibt es davon nur eine Sorte? Oder gibt es mehrere? Wann ist man demokratisch und wann nicht?

Diese Fragen muss jeder für sich beantworten, und doch müssen wir sie für uns alle beantworten können. Denn ich gehe nicht allein auf den Wegen Europas. Denn ich bin immer begleitet von den europäischen Geistern und von ihnen umgeben - und von den Menschen, die diesen Geistern entsprechen. Um eine Antwort in der Frage „Demokratie“ geben zu können, müssten wir erstmals und wieder denkende Menschen werden.

Denken lernen, das ist die Herausforderung, die uns bevorsteht. Denn, ohne denken zu können, gibt es überhaupt keine Möglichkeit, irgendwelche Fragen zu beantworten.Zu lange hat die Trennung in den Bildungssystemen, in dem gesamten Spektrum der Schulen, zwischen den Wissenschaften – von der Philosophie (und den Geisteswissenschaften) zu den Naturwissenschaften – die Entwicklung der Denkfähigkeiten zu vieler Menschen behindert. Vieles ist einem gewissen Wirtschaftsmodell geopfert worden - zu viel vermute ich. Es ist nun  an der Zeit, dass wir das Denken und das „Denken lernen“  erneut als Grundlage unserer Gesellschaft setzen. Es ist sogar notwendig.

Ich weiß, Künstler sollten lieber den Mund halten, denken viele und vielleicht, wenn man dies von ihrem Blickwinkel aus betrachtet, haben sie Recht, da Künstler sich nicht automatisch diesem oder dem anderen System zuordnen lassen, denn sie sind für etwas anderes als für dieses oder das andere System da: sie sind da, wenn sie der Bezeichnung Künstler würdig sind, um die Menschen zur Revision, und zwar zur kritischen Revision ihrer Taten und ihres Denkens, anzuregen. Der Künstler kennt kein pauschales „Rechthaben“. Der Künstler zwingt einen Jeden zur Akzeptanz von Ansichten, die ihm fremd sind. Und er kann dabei unbequem werden, weil er sich nicht leicht ausschalten lässt. Ich bezeichne das Unbequem-Sein des Künstlers als eine Art „Fröhliche Wissenschaft“ und vielleicht, wenn Sie mich richtig verstehen werden, „jenseits von Gut und Böse“.

Europa kann nicht von langer Dauer sein und überhaupt kann es nicht entstehen, in einer ausgeschalteten Gesellschaft. Jeder Versuch hinsichtlich einer solchen Vorstellung wird unvermeidlich scheitern; es ist meistens nur eine Frage der Zeit. Aber die Menschen Europas sind nicht „eine Frage der Zeit“. Sie dürfen nicht scheitern und an ihnen darf man nicht scheitern. Sie sind vor und nach der Zeit, denn die Zeit (was ist die Zeit überhaupt?) ist auch etwas Begrenztes, etwas das mit Ultimaten und Endgültigkeit verbunden ist: das Gegenteil von Offenheit, von Entwicklung. Die Zeit drängt, Europa darf nicht drängen. Die Zeit tötet, Europa darf aber nicht töten. Die Zeit ist exklusiv, Europa will aber „inklusiv“ sein. Die Zeit trennt die Menschen voneinander, Europa will aber zusammen führen und einigen. 

Europa und die Europäer sind keine zu begrenzenden Angelegenheiten. Sie sind das Wesen. Sie sind die Welt, sie sind Europa. Die Menschen sind die erste und die letzte Instanz, und sie stehen eben vor und nach der Zeit. Sie sind das wahre Alpha und Omega aller Dinge. Nur, wenn es sie gibt, ist die Welt „Welt“. Nur wenn es sie gibt, ist „Europa“ wirklich Europa. Es stellt sich nun die Frage: Wie können sie da sein? Wie kann es Menschen geben? Die Antwort lautet: indem man sie existieren lässt. Und hier öffnen sich viele Fragen, sowohl philosophisch als auch sozial. 

Nun, ich bin hier, um das EUROPOLIS- PROJEKT zu präsentieren und schreibe dabei eine Menge unsinnige Dinge. Im Grunde aber, habe ich es eben präsentiert. Das ist EUROPOLIS und dazu ist es noch mehr…

 

Alessandro Chiodo            Münster (Westf.), 04.11.2019

 

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