ALESSANDRO CHIODO
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Das Projekt „Europolis“ und seine Autorinnen und Autoren

Eine Einleitung.

„Es gibt nur ein Europa, und es ist für alle da.“ So simpel erläutert Alessandro Chiodo sein Verständnis von Europa. Und so einfach ist auch das neue Projekt „Europolis“. Eine Bilderserie, die sich mit dem Kontinent in einer unruhigen Phase mit einer Vielzahl von Herausforderungen beschäftigt. Europa, das ist gewiss, wird durch seine Menschen gemacht und ausgemacht. Wir haben einige Menschen eingeladen, uns für dieses Projekt ihre europäische Geschichte zu erzählen. Das Mosaik der Autorinnen und Autoren ist dabei (fast) so bunt wie der Kontinent selbst, doch ein paar Bedingungen mussten schon erfüllt sein. Alle haben ein besonderes Verhältnis zu Deutschland und Italien, wie der Künstler selbst, der aus Ligurien stammt und seit etwas über zehn Jahren im westfälischen Münster lebt und arbeitet. Wie ich, der sich sein Leben ohne die italienischen Aspekte und Momente gar nicht mehr vorstellen kann. Ohne Italien wäre es eh ein ganz anderes Leben geworden.

All unsere Autorinnen und Autoren sind überzeugte Europäer. Sie haben ein positives Verständnis von Vielfalt und glauben, dass Europa nur in der Einheit der Vielfalt wird bestehen können. Gestandene Menschen zwischen 50 und 60 sind ebenso darunter wie junge Hüpfer, für die das (überwiegend) grenzenlose Europa ebenso schon eine nicht mehr hinterfragte Realität ihres Aufwachsens war wie eine digitalisierte Welt.

Einige hatten vor der Veröffentlichung bereits Gelegenheit, die neuen Werke von Alessandro Chiodo zu betrachten und haben ihre Assoziationen, manchmal auch nur spontanen Reaktionen, in ihre Texte eingearbeitet. Wie der Drucker und Grafiker Diego Bruschi, dem unter den vielen angedeuteten Themen im Werk Chiodos die nicht unkomplizierte Beziehung der Europäer zu den USA aufgefallen ist und der meint, dass „die Problematik dieser Beziehung mehrfach im Werk Alessandros auf eine sehr feine, sensible Weise ans Licht kommt. Antirhetorisch, lustig, mit einem feinen und schnellen Strich skizziert, aber fern von jeder Vereinfachung“.

Franco Giordani ist Diplomat und derzeit noch Konsul von Italien in Dortmund. Bald wird er nach Rom zurückgehen. Für das Projekt „Europolis“ hat er gewissermaßen die Schirmherrschaft übernommen. In seinem Beitrag erinnert er an die griechische Polis als Wiege der europäischen Demokratie und hält einen geradezu undiplomatisch leidenschaftlichen Appell für Europa. Ein Leuchtturm möge Europa sein, Licht der Hoffnung und des Wohlstands für alle und auch diejenigen, die außerhalb der Grenzen Europas leben. Für Giordani ist „Europolis“ eine Hommage an die Freude, vereint zu sein, wie eine große Familie mit ihren Gegensätzen, mit ihren Friktionen, aber auch dem Wunsch, vereint zu bleiben.

Linda Calise, Geschäftsfrau auf der Insel Ischia im Golf von Neapel, erinnert sich an Kindertage mit der deutschen Großmutter, deren Heimat stets als „das bessere Land“ verklärt wurde und von Süditalien aus doch so unerreichbar erschien.  Lukas Dorka, ein junger Mann aus Berlin, der schon als Kind wie selbstverständlich alle Grenzen überwindend mit der Familie nach Italien reiste, erzählt, wie absurd es ihm erscheint, bei der Einreise in die Ukraine stundenlang in der Schlange einer Grenzkontrolle zu stehen. Und wo Lukas hinein möchte, möchte Tatjana Martynowa heraus, zumindest zeitweise und immer wieder. Die Deutschlehrerin aus der ukrainischen Hafenstadt Odessa vermittelt ein Gefühl davon, was es bedeutet, außerhalb der EU zu stehen, obwohl man doch so gern dazu gehören möchte.

Mit dem scharfen Blick des Juristen beschreibt Stefan Schröer in knappen Worten, wie die Krisen der letzten Jahre viele Menschen in ihrem Glauben an Europa erschüttert haben, dass aber allein ein starkes Europa der Schlüssel ist, die Herausforderungen einer globalisierten Zukunft gemeinsam zu bestehen. Einen intimen Einblick in seine deutsch-italienisch-kroatische Familiengeschichte gewährt uns Marco Jelic, Politologe aus Bonn. Er erzählt von den harten Jahren, die sein Großvater Donato durchlitt, der als einer der ersten „Gastarbeiter“ nach Deutschland kam und bald im Schwarzwald seinen hundertsten Geburtstag feiern wird. Jelic analysiert die oft gespaltene Identität vieler junger Deutscher mit Migrationshintergrund und erläutert die gefährliche Verführung rechtspopulistischer Parteien, die im Zeichen der Krise gerade auf einer unheilvollen Welle des Wählerzuspruchs schwimmen.

Soziale Gerechtigkeit ist ein wesentlicher Anspruch, den Federica Gennaro für Europa erhebt. Die Philosophin, die einen feministischen Blick auf das Projekt wirft, sieht in wahrer Demokratie auch einen unverzichtbaren Baustein für die Güte und Tragfähigkeit menschlicher Beziehungen.

Die Eltern von Alexandra Teixeira Romano sind Anfang der 70-er Jahre aus Portugal nach Deutschland ausgewandert, um dort ihr Glück zu suchen. Die kleine Alexandra ging im Rheinland zur Grund- und zur Hauptschule, machte eine Lehre als Reiseverkehrskauffrau. Ihre erste Dienstreise führte sie nach Ischia, wo sie ihren Mann Beppe kennenlernte. Heute leitet sie mit ihm und seiner Familie ein Wellnesshotel, das zu den schönsten der Insel gehört. Für die Hotelierin war und ist Europa Verheißung, ein „Mythos des Schönen und des Friedens“, das es auch noch möglichst lang bleiben solle. Vier bis fünf Sprachen sind in der Hoteliersfamilie ständig präsent.

In einer solchen Vielfalt der Sprachen ist auch Teo Alexander Fabian aufgewachsen, der in Bukarest an einer der renommiertesten Schulen Rumäniens ein deutsches Abitur abgelegt hat. Teos Großvater Mihail gehörte zur deutschen Minderheit der Siebenbürger Sachsen und vermittelte seinem Enkel schon früh so durch und durch europäische Werte wie Toleranz und Vielfalt in Einheit. Klar, dass Teo diesen Weg weiter geht: Der Italienliebhaber und Kunstfan studiert in Wien.

Wenn die Berliner Designerin Julia Hermesmeyer an ihre europäische Erweckung denkt, dann erinnert sie sich gleich an die trüben Lichter des Vaporetto, die sich morgens um drei nach einer durchtanzten Nacht auf dem Canale Grande in Venedig spiegeln. Europa, das manifestiert sich für sie vor allem in den vielen transnationalen Freundschaften, die sie damals und seitdem geschlossen hat.

Und so mögen „Europolis“ und diese mit Liebe und Leidenschaft für Europa gemachte Veröffentlichung ein Appell sein: für Friede und Freundschaft und ein starkes Europa, das sozialen Ausgleich und Vielfalt in Einheit schafft, ermöglicht und bewahrt.

Odessa, im Dezember 2019               Dieter Jaeschke

 

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