ALESSANDRO CHIODO
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AUS "EUROPOLIS"

“In der Ferne tauchen langsam die trüben  Lichter vom Vaporetto auf. Es ist drei Uhr nachts.

Beitrag von Julia Hermesmeyer

Ich laufe durch stille, einsame Gassen. Ganz eng aneinander stehen die Häuser, nur hin und wieder weitet sich der Blick, wenn ich Brücken überquere, die über kleine Kanäle führen. Es ist Herbst, und über den Kanälen wabert schon der Nebel, der diese Stadt noch mystischer macht als sie es eh schon ist. Es würde mich nicht wundern, wenn gleich jemand aus dem letzten Jahrhundert meinen Weg kreuzte. Nach einem labyrinthartigen Weg durch die Stadt trete ich plötzlich ins Freie und stehe am großen Kanal. Der Nebel hängt über dem Wasser und legt sich auf mein Gesicht. In der Ferne tauchen langsam die trüben Lichter vom Vaporetto auf, dem Boot, das mich nach Hause bringen wird. Es ist drei Uhr nachts.

Diese Stadt, um die ich immer einen Bogen gemacht hatte, kam mir immer wie eine Art „Disneyland“ vor. Dieses Disneyland ist nun mein Zuhause, in dem ich mich mit meinen Freunden zur Cena, zum Abendessen, treffe, mit Radicchio aus dem Ofen mit Zitrone und Öl, Auberginen und Zucchini als Antipasti angerichtet, Brot und Wein. Wir über unsere Projekte reden auf Italienisch, Englisch, Deutsch und manchmal Portugiesisch, lachen und tanzen. Es fühlt sich an, als würde ich eine in Vergessenheit geratene Erinnerung wieder zum Leben erwecken. Es fühlt sich sehr warm an.

Meine Zeit in Venedig liegt jetzt schon fast zehn Jahre hinter mir, aber sie hat ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass ich mich sprachlich dem Land näher fühle, ich habe dort Freunde gefunden. Es ist schön, ein Land kennenzulernen, aber was wäre das Land ohne die Menschen. Ich habe nicht nur eine andere Kultur, sondern auch meine eigene neu kennengelernt. Die Möglichkeit, für eine längere Zeit in ein Land einzutauchen und die Menschen, die Sprache, das Alltägliche zu leben, ist etwas, das ich nicht missen will und das mich sehr geprägt hat. Vor allem, weil ich dort Freundschaften geschlossen habe.

Freundschaften sind Austausch und Vertrauen - und das ist es, was zählt. Gerade und vor allem in Bezug auf Europa. Denn Freundschaften lassen Grenzen verwischen. Es gibt für uns Europäer keine Grenzkontrollen mehr innerhalb Europas. Und doch sind die Grenzen da, politisch sowie sprachlich, wirtschaftlich und strukturell. Für mich ist es nichts Besonderes, mal eben von Deutschland nach Italien zu fahren und das ganz ohne den Ausweis vorzuzeigen, aber diese Möglichkeit gibt es erst seit 1990. Wir haben die Chance auf ein starkes Europa, und ich glaube, dass länderübergreifende Freundschaften dafür eine wichtige Grundlage sind. Denn Freundschaften in Bezug auf Europa stehen nicht nur für Austausch und Vertrauen, sondern ermöglichen auch Verständnis und Wertschätzung unterschiedlicher Kulturen.

In den Bildern von Alessandro Chiodo spiegelt sich für mich die Vielschichtigkeit Europas. Unterschiedliche Ebenen, die sich überlagern in feinen Linien, in großen dunklen oder bunten Farbflächen. Sie sind voller Energie und fordern mich auf, direkt selber einen Stift in die Hand zu nehmen und los zulegen. 

 

 

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